Kann der ermittelte Inzuchtkoeffizient meines Boxers aus verschiedenen Labors unterschiedlich sein?
Sie haben in der Vergangenheit einen genetischen Fingerabdruck ihres Hundes mit Ermittlung des Inzuchtkoeffizienten bei einem Labor durchführen lassen? Nun haben Sie sich vielleicht entschieden, Ihren Boxer bei Certagen erneut testen zu lassen und sind erstaunt, dass nun ein anderer Inzuchtkoeffizient ermittelt wurde. Das kann doch nicht sein!? Oder etwa doch?
Der Ansatz des Tests bei Certagen berücksichtigt sowohl die aktuelle Inzucht, die aus den letzten Generationen stammt, als auch die historische Inzucht, die über viele Generationen hinweg, die angehäufte Reinerbigkeit widerspiegelt. Beim Boxer beispielsweise durch die Effekte der 4 Rassegründer, oder historische Engpässe (z. B. die Weltkriege).
Die aktuelle Inzucht zeigt uns nahe Verwandtschaften auf, die wir teilweise schon durch Studium der Ahnentafel sehen. Labore die sich auf aktuelle Inzucht konzentrieren, erhalten daher oft niedrige Werte der Inzucht, da sie hauptsächlich die heute vorhandenen Variationen betrachten. Die historische Inzucht liefert dagegen Einblicke in die tiefere genetische Struktur der Rasse.
Das bedeutet aber nicht, dass die Ergebnisse eines Labors falsch sind. Vielmehr werden unterschiedliche Aspekte der genetischen Historie hervorgehoben.
Zudem variieren die Ergebnisse aufgrund der Anzahl und Informationsdichte der verwendeten Marker, der Definition der „reinerbigen Bezirke“ auf den Genen (Runs of Homozygosity) und der unterschiedlichen Software und Softwareeinstellungen.
Der wichtigste Punkt der Betrachtung ist, dass der Trend, also ob der Inzuchtkoeffizient über Generationen steigt, sinkt, oder stabil bleibt, vergleichbar ist. Diese Informationen unter Berücksichtigung der reinerbigen Regionen, die durch die Rassegeschichte geprägt sind, können zukünftig helfen Zuchtentscheidungen zu treffen.
Angelika Hartmann
Mitglied im AZKW