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Schutzimpfungen

Viele Infektionskrankheiten stellen auch heute noch wichtige Krankheitsursachen für den Hund dar. Eine erfolgreiche Therapie der durch Viren und Bakterien hervorgerufenen Infektionskrankheiten ist sehr aufwendig, so daß der Impfung eine wesentliche Rolle im Rahmen der Bekämpfung dieser Infektionen zukommt. Für den jungen Welpen sind vor allem zwei Virusinfektionen von Bedeutung, und eine sorgfältige Prophylaxe gegen dies Infektionen ist daher entscheidend für den Welpen, und damit verbunden auch für den Hundebesitzer und den praktizierenden Tierarzt. 

1) Parvovirose (Katzenseuche):

Die heute bedeutendste virale Infektionskrankheit des Hundes ist die Parvovirose, eine Erkrankung, die vor allem das Immunsystem und den Darm des Welpen be trifft. Die Krankheit verläuft akut und heftig, so daß unbehandelte Hunde innerhalb weniger Tage verenden können. Das Virus wird von erkrankten Tieren in großer Menge ausgeschieden und kann, da es sehr stabil ist, leicht indirekt über be schmutzte Gegenstände in den Zwinger eingeschleppt werden.

Gegen die Parvovirose sind wirksame Impfstoffe verfügbar, die bei korrekter Anwendung verläßlich eine Infektion der Welpen verhindern. Ein großes Problem liegt darin, den richtigen Zeitpunkt der Erstimpfung zu bestimmen, denn nicht nur eine zu späte Impfung, sondern auch eine zu frühe Impfung kann wirkungslos sein, wenn die Welpen einen guten Schutz durch mit der Milch aufgenommene Antikörper der Mutter haben. In Zwingern, in denen in der Vergangenheit Parvovirose nicht aufgetreten ist, hat sich eine Impfung in der 8. Lebenswoche und in der 12. Lebenswoche bewährt. In Zwingern, in denen die Parvovirose ein Problem darstellt, sollte zunächst der Impfstatus des Muttertieres bestimmt werden, und darauf basierend individuell der optimale Zeitpunkt für die Erstimpfung der Welpen abgeschätzt werden. 

Dies könnte bedeuten, daß früher (ab der 6. Lebenswoche) und ggf. auch häufiger, z.B. wöchentlich geimpft werden muß. Begleitet werden muß hier das Impfprogramm aber immer von sorgfältigen Desinfektions- und Hygienemaßnahmen. In jüngster Zeit sind von verschiedenen Impfstoffherstellern sogenannte 'hochtitrige' Parvovirus-Impfstoffe speziell für Welpen erhältlich. Diese Impfstoffe scheinen in Problembeständen Vorteile gegenüber den herkömmlichen Impfstoffen zu haben, so daß die Verwendung dieser Impfstoffe für die Grundimmunisierung der Welpen empfohlen werden kann. 

2) Staupe 

Die Staupe ist die zweite wichtige virale Infektionskrankheit des Hundes, die sich aber biologisch in vielerlei Hinsicht von der Parvovirose unterscheidet. So ist das Krankheitsbild verschieden, die Staupe betrifft vor allem den Atmungstrakt und das Nervensystem, und die Übertragung erfolglt praktisch ausschließlich durch direkten Tierkontakt. Das heißt, ein Welpe kann sich nur durch einen Staupevirus infizierten, meist kranken, Hund anstecken. 

Problematisch ist, daß das Virus (wenn auch selten) von einem Infizierten, gesund erscheinenden Tier über einen längeren Zeit- raum ausgeschieden werden kann. Auch gegen die Staupe sind wirkungsvolle Impfstoffe verfügbar, die bei regelmäßiger Anwendung verläßlich schützen. In be- sonders gefährdeten Zwingern besteht die Möglichkeit, die jungen Welpen (6. Le- benswoche) mit einem Masernimpfstoff zu impfen, und sie dadurch zu einem sehr frühen Zeitpunkt gegen die Staupe zu schützen. 

3) Leptospirose

Die Leptospirose ist eine bakterielle Erkrankung, die auch beim Menschen beobachtet wird. Verschiedene Serovare sind beschrieben, und gegen die beiden häufigsten wird der Hund auch geimpft. Eine Krankheit wird fast ausschließlich bei nicht geimpften Hunden gesehen. Kranke Tiere scheiden die Erreger wochen- oder monatelang im Urin aus. Epidemiologisch wichtig ist, daß Wildnager, Ratten und Mäuse, häufig infiziert sind, und durch den erregerhaltigen Urin die Umwelt (stehende Gewäs- ser) verseuchen. Hier kann sich auch der Mensch anstecken. Eine direkte Infek tionskette Hund - Mensch ist dagegen nicht oder nur in seltenen Ausnahmefällen beschrieben. 

4) Ansteckende Leberentzündung

Die ansteckende Leberentzündung oder Hepatitis contagiosa canis (HCC) wird durch das canine Adenovirus Typ 1 (CAV-1) hervorgerufen. Es verursacht eine Erkankung, die vornehmlich durch Leber- und Nierenschäden gekennzeichnet ist. Diese Erkran- kung wird beim Hund nur noch sehr selten beobachtet, eine Umfage in verschiedenen Untersuchungslabors erbrachte den Nachweis von CAV-1 in nur etwa fünf Fällen innerhalb der letzten zehn Jahre. Das Verschwinden des Virus ist wahrscheinlich auf die wirksame Impfprophylaxe zurückzuführen, die in den letzten ca. 20 Jahren durchgeführt wurde. Trotzdem ist es sinnvoll, die Impfung beizubehalten, um ein Widerauftreten dieses Virus zu verhindern.

5) Tollwut 

Die Tollwut ist eine gefährliche Infektionskrankheit, die auch den Menschen befallen kann. Diese Infektion verläuft bei Mensch und Tier ausnahmslos tödlich! In Europa ist der Fuchs der epidemiologische Träger der Tollwut und der Hund kann sich durch Kontakt mit einem infizierten Wildtier infizieren. Die so infizierten Hunde stellen eine große Gefahr für den Menschen dar. Hunde werden gegen die Tollwut seit vielen Jahren erfolgreich geimpft und in den letzten Jahren wurden auch die Fuchspopulationen mit ausgelegten Ködern geimpft. Dies alles hat dazu geführt, daß die Tollwut in Deutschland sehr selten ist und daß die Gefährdung des Menschen entsprechend gering ist. Dennoch muß eindringlich darauf hingewiesen werden, daß die Impfung der Hunde gegen Tollwut die wichtigste Impfung ist, die der Hund bekommen muß! 

Zwar besteht in Deutschland keine Impfpflicht, jedoch wird durch das Tierseuchenrecht die regelmäßige Impfung der Hunde insofern gefördert, als "Hunde mit einem Impfschutz" (d.h. solche Hunde, die nachweislich innerhalb des letzten Jahres ge impft worden sind) anders behandelt werden, als solche ohne Impfschutz. Hat ein geimpfter Hund Kontakt zu einem tollwutverdächtigen Fuchs, wird er unter Beobachtung gestellt, ein nicht geimpfter Hund muß getötet werden.

6) Zwingerhusten

Der Zwingerhusten stellt einen Symptomenkomplex dar, der als sogenannte Faktorenkrankheit neben Infektionserregern auch entscheidend von Umweltbedingungen, d.h. Haltungsbedingungen beeinflußt wird. Diese Erkrankung betrifft vor allem große Zuchten mit vielen Zuchthündinnen. Als wichtiger Erreger sind eindeutig das canine Parainfluenzavirus und das Bakterium Bordetella bronchisepticum identifiziert worden. Diese Erreger verursachen in der Regel nur eine schwache Infektion, die oft unbemerkt bleibt. Kommen jedoch außergewöhnliche Stressfaktoren, wie z.B. eine hohe Tierdichte, Ausstellungen, Transporte hinzu, kann die Krankheit ausbrechen und ernste Probleme bereiten. Eine Impfung gegen diese Erreger ist möglich, auf grund der komplexen Entstehung dieses Krankheitskomplexes jedoch nicht immer in einem befriedigenden Maße wirksam. 

In großen Zuchten oder Problemzwingern ist eine Impfung gegen den Zwingerhusten zu empfehlen, für Einzelhunde in optimaler Haltung ist sie sicherlich entbehrlich. Muttertierimpfungen Es hat sich bewährt, die jährliche Wiederholungsimpfung der Hündinnen vor der Belegung durchzuführen. Dies gewährleistet, daß die Hündin eine Auffrischung des Impfstoffes erlebt und ihre Antikörperspiegel um den Geburtstermin herum sowohl im Blut als auch in der Muttermilch optimal sind. Hiervon profitiert der Welpe in den ersten Lebenswochen. Eine Impfung des trächtigen Muttertieres während der Träch- tigkeit bietet keine weiteren Vorteile und es ist sinnvoll, den Stress für die Hündin während der Trächtigkeit zu minimieren. Die Impfung neugeborener Welpen vor der 6. Lebenswoche mit den zur Zeit verfügbaren Vakzinen ist wenig sinnvoll. Zum einen sind die Vakzinen nur für Welpen ab diesem Lebensalter geprüft und es gibt Hinweise, daß z.B. Staupevakzinen für jüngere Hunde gefährlich sein können. Es ist vielmehr angebracht, die Welpen während der ersten Lebenswochen weitgehend von anderen Hunden, insbesondere Hunden mit unbekanntem Infektionsstatus zu isolieren und dann eine sinnvolle Immunprophylaxe zu beginnen. Impfschema, Impfkalender: Ein jedes Impfschema beginnt mit einer Grundimmu- nisierung des Welpen. Diese Impfung ist für die Gesundheit des Welpen die wichtigste und sollte sorgfältig durchgeführt werden. 

Wie oben erwähnt sind die weitaus wichtigsten Komponenten, die Impfungen gegen die Parvovirose und Staupe. Das bewährte Impfschema der Impfungen gegen Parvovirose, Staupe, Leptospirose und HCC in der 8. und 12. Lebenswoche ist grundsätzlich für Zwinger zu empfehlen, die nie Probleme mit diesen Infektionskrankheiten hatten. Besser ist es aber grundsätzlich, die beiden wichtigsten Komponenten, Parvovirose und Staupe, vor den anderen Impfungen getrennt zu impfen.

So könnte ein generelles Impfschema wie folgt aussehen:

7.-8. Lebenswoche: Parvovirose (hochtitrig), Staupe

8.-9. Lebenswoche: Parvovirose, Staupe, Leptospirose, HCC 

12.-13. Lebenswoche: Parvovirose, Staupe, Leptospirose, HCC 

16. Lebenswoche: Tollwut 

Dieses Schema ist nur ein Beispiel und sicher nicht allgemeingültig. Es bietet aber einige virologische Vorteile, insbesondere die Trennung der wichtigen Parvoviroseimpfung zu Beginn der Grundimmunisierung und die Trennung der Tollwutimpfung am Ende der Immunisierung.

Der "Nachteil" eines solchen Programms ist der häufigere Besuch des Tierarztes und wahrscheinlich ein dadurch etwas höherer Preis für das komplette Programm. In Problemzwingern kann jederzeit mit der Impfung gegen Zwingerhusten ergänzt werden und es kann sinnvoll sein, auch in der 15. Lebenswoche noch einmal gegen Parvovirose und Staupe nachzuimpfen. 

Dies hängt aber von der speziellen Situation im Zwinger ab. In Zwingern, die Probleme mit einzelnen Infektionskrankheiten hatten, insbesondere mit der Parvovirose, ist es anzuraten, daß ein individueller Impfplan aufgestellt wird, in dem ggf. häufiger gegen einzelne Komponenten geimpft wird. 

Es ist außerordentlich wichtig, daß ein Impfschema vollständig durchgeführt wird. Die Wiederholungsimpfungen sind wenigstens so wichtig, wie die erste Impfung und darauf muß der Welpenkäufer unbedingt hingewiesen werden. Ebenso ist unbedingt auf eine regelmäßige alljährliche Nachimpfung hinzuweisen. Abschließend sei auch darauf hingewiesen, daß einige Tage vor der Grundimmunisierung des Welpen dieser entwurmt werden sollte.

Priv.-Doz. Dr. Uwe Truyen

Institut für Medizin. Mikrobiologie, Infektions- u. Seuchenmedizin, Universität München