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Chronik

Zusammenstellung: 1895  1956 Friederun Stockmann +, Töging am Inn und Theo Möller +, München; 1957- 1971 Jochen Flemming +, Hannover; 1972-1994 Joachim Grosse, Berlin; ab 1995 Günter Karg, Forchtenberg

  Hinweis: Für die nicht immer einwandfreie Bildwiedergabe bitten wir um Verständnis, da Originalfotos nicht mehr vorliegen. Ebenso sollte man den Ausführungen 18951956 ideellen Wert beimessen, da doch einige Passagen aus heutiger Sicht anders gesehen werden.

Als um 1895 in München einige Männer den Plan fassten, einen Hund als Rasse auf den Schild zu heben, gehörte viel Begeisterung und Ausdauer zu diesem Unterfangen. Den Anstoss hierzu gab der 1894 aus Norddeutschland nach München übergesiedelte, gebürtige Wiener, Friedrich Roberth. Ihm ging der Ruf eines bekannten Kynologen voraus und er hatte längere Zeit bei unserer Kolonialarmee in Afrika gestanden. Damals ist wohl auch die Idee des Kriegshundes geboren worden. Mit der gleichen Frage befassten sich zur selben Zeit in München auch die Herren Elard König und Rudolf Hoepner. Als besessener Hundefreund und erfahrener Abrichter war es nur natürlich, dass sich Roberth bald mit den Gesinnungsgenossen zusammenfand.

Man führte im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts vor allem den Airedale-Terrier aus England in Deutschland ein, in der festen Überzeugung, dass diese Rasse in grossem Masse die Eigenschaften eines Kriegshundes in sich verkörpere. König und Hoepner waren daher eifrig dabei, den AirdaleTerrier in dieser Eigenschaft in Deutschland einzubürgern und Roberth, Sportsmann durch und durch, schloss sich den Bestrebungen der beiden sofort mit Feuereifer an. Man sagte indessen Roberth nach, dass er nie lange bei einer Sache blieb und immer auf der Suche nach etwas Neuem war.

Nach einigen erfolgreichen Zuchtversuchen genügtem ihm die Airedale-Terrier nicht mehr. Vielleicht teilte er auch die Ansicht vieler damaliger Terrierfreunde, die den in England gezüchteten AiredaleTerrier als zu elegant und im Wesen als zu hart fanden, und die da ran gingen in Deutschland einen derberen, zu schwerer Arbeit mehr geeigneten Typ zu züchten. In München traf man damals sehr häufig, oft spöttisch als Bierboxer bezeichnete Hunde an, die in Roberth Jugenderinnerungen weckten. Boxer hatte er schon lange gekannt, nur waren diese leichter und eleganter. Roberths Steckenpferd waren Hunde, namentlich neue Hunde, und zu diesen, wenigsten für die offizielle Kynologie (Delegierten Commission), gehörte zu jener Zeit der Boxer.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass er mit Feuereifer daran ging, diesen Hund hochzubringen. Ihm schwebte eine Hunderasse vor, die alle jene Eigenschaften besaß, die man damals bei "Kriegshunden" voraussetzte. Seine beiden Freunde riss Roberth dabei mit einem Temperament mit, das keine Hindernisse kennt, und ehe sich König und Hoepner versahen, standen sie in mitten einer Boxerpropaganda, an deren Spitze Roberth stand.

Der erste Erfolg, den dieser Werbefeldzug zeitigte, war, dass sich der "St. Bernhard-Klub, Sitz München" herbeiließ, auf der von ihm 1895 in München veranstalteten Ausstellung eine Versuchsklasse für Boxer zuzulassen. Für diese wurde sage und schreibe ein Hund gemeldet. Sein Besitzer war von Roberth zum Ausstellen geradezu gepresst worden. Roberth, als Richter, gab diesem Hund 1. Preis und Ehrenpreis. Er ist der erste im Stammbuch eingetragene Boxer namens "Flocki". Seine Abstammung ist charakteristisch für den damaligen teilweisen Stand der Münchener Boxerzucht. Sein Vater war "Dr. Toenniessen's Tom" (Bulldogge), seine Mutter "Alt's Scheckin" 50. Dieser "Dr. Toennissens's Tom" ist lange viel geschmäht worden. Er hat aber letzten Endes dadurch Gutes geschaffen, dass der Typ in den vielen Generationen der Uneinigkeit unter den Züchtern, von denen einige den schweren Mühlbauer's Flocki, Nr. 1, bulligen und andere den leichten eleganten Hund wollten, nicht verloren gegangen ist.

Heute würde der verfehmte Bulldogg von seinen Rassegenossen genau so weit entfernt erscheinen, als der seinerzeitige Boxer von den heutigen Tieren. Aus den Ahnen unserer Boxer ist aber dieser "Tom" ebensowenig wegzudenken wie seine Enkelin, die Eva des Boxergeschlechts, "Meta v.d. Passage". Eine lange, niedrige, kinnlose Scheckhündin mit flachem Doggenkopf.

Die Ausstellung hatte Erfolg. Kurz darauf wurde der "BoxerKlub" gegründet, der anfänglich nur wenige Angehörige zählte. Doch zu jeder Versammlung fanden sich Boxerbesitzer ein, die Mitglieder wurden und das Interesse an der Sache wuchs. Zwar sprachen sich die grossen allgemeinen kynologischen Zeitungen wie »Hundesport und Jagd« anfangs wenig anerkennend über den Boxer aus. Eine bezeichnete ihn als neue Rasse, die nichts anderes sei als eine Art schlechter Bulldoggen und nicht die geringste Aussicht hätte, am Leben zu bleiben. Nun, wir wissen heute, dass dies ein Irrtum war.

Unter den neu hinzugekommenen Mitgliedern befand sich damals auch der Postexpeditor Andreas Kolb, der Besitzer des Rüden »Flock St.Salvator« 14, von dessen Vater »Box St. Salvator« 59, nur bekannt ist, dass seine Farbe semmelgelb war. Von seiner Mutter »Mary v. Nymphenburg« 65, wusste man nicht einmal das. Das Gebäude von »Flock« sprach man seinerzeit als Ideal an. Leider existiert von diesem wichtigen Urahnen unseres Boxers kein Bild.

Aus einzelnen Aufzeichnungen geht hervor, dass auch er hellgelb war und im Kopftyp manchen Wunsch offen ließ. Wir finden aber unter den Bildern, die die Rassekennzeichen illustrieren, die Aufnahme von einer Flock Tochter mit der Unterschrift »Flock Figur«. Dieses Tier wäre nach unseren heutigen Begriffen eine sehr ansprechende, wenn auch etwas leichte Hündin. Immerhin bewirkte die Hervorkehrung des Flock Gebäudes die endgültige Umstellung der alten Zuchtziele und die Abkehrung vom Bulldog Typ. Kolb selbst war ein fleißiger Züchter, der weder Zeit noch Geldopfer scheute, um seine Hunde auf die Ausstellungen zu bringen.

Ein Jahr nach der St. Bernhards Klub Ausstellung beschloss der erstandene Boxerklub, selbst eine Veranstaltung aufzuziehen. Der damalige Vorsitzende, Herr Hoepner, schreibt hierüber: »Die erste Schau, die der Klub veranstaltete, war eine Überraschung, und zwar eine freudige. Mit Zaghaftigkeit war man an dieses Unternehmen gegangen, denn Geld war nicht vorhanden, es konnte also keine Reklame gemacht werden und das bedeutet für eine Stadt wie München nichts weniger als ein Fiasko. Mit dieser Erwartung schlichen die Arrangeure Roberth und König am Tage der Schau in das Privathaus an der Rottmannstrasse, dessen 2. Hof der Besitzer, Joh. Himmelreich, ein Mitglied des Klubs, zur Verfügung gestellt hatte. Und da war auch die Überraschung da ! Mindestens 20 Boxer hingen schon an den in die Wände eingeschraubten Ringen und neue kamen immer zu, nicht nur solche im Besitz von Mitgliedern, so dass in ganz kurzer Zeit der Hof mit Boxern angefüllt war und E. König nur gerade noch eine Ecke rettete, um dort richten zu können.

Aber nicht nur Boxer kamen, um sich gegen 1 Mark Standgeld eine Zensur und Diplom zu holen ! auch zahlende Besucher. Die zweite Überraschung bildeten die Hunde selbst. Das waren ja gar nicht die Köter, die die Kynologen erwartet hatten, das waren Hunde, die zwar jede Einheitlichkeit in den Zuchtzielen vermissen ließen, aber doch ein sehr hoffnungsreiches Bild für die Zukunft boten. Es musste nur ein richtiges Zuchtsystem gefunden und als Norm aufgestellt werden, nach dem die Mitglieder sich richten sollten.

« Das letztere war aber nicht so einfach. Wohl hatte die Ausstellung dem Klub wieder neue Mitglieder zugeführt, es befanden sich unter ihnen jedoch zu wenig Idealisten, und das Unausbleibliche traf ein.

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