Rückblick - Sparen und weitere Maßnahmen

Wie die meisten Unternehmen und viele Kommunen haben auch die Vereine seit einigen Jahren unter den allseits bekannten wirtschaftlichen Problemen zu leiden.

Ganz besonders gilt dies für fast alle Rassehundeclubs in Deutschland.

Die Medienjagd nach jedem "Hundehaufen" und die leidige Kampfhundediskussion haben einen wesentlichen Anteil daran.

Wir wollen auch nicht verheimlichen, dass die Boxer und einige andere betroffene Rassen mit dem Rutenkupierverbot 1998 einen weiteren "Tiefschlag" einstecken mussten.

Aus heutiger Erkenntnis, eine emotionale, interne Reaktion, als deren Folge wir allerdings im Jahre 2001 den niedrigsten Stand an Eintragungen mit nur noch 1275 Welpen verkraften mussten.

Dass sich diese geringe Zahl dann zeitversetzt beim Mitgliederstand und in allen Fachbereichen unseres Klubs mehr als nachteilig erweisen musste, war absehbar.

1980 hatten wir noch 3453 Eintragungen und 16.149 Mitglieder mit steigender Tendenz, bis Mitte der 90-iger Jahre schon zwischen 17 + 18 Tausend, danach ging es wieder kontinuierlich abwärts.

    Welpen    Mitglieder
1996   2.720   16.856
1997   2.449   17.222
1998   2.264   15.822
1999   1.711   15.471
2000   1.559   15.205
2001   1.275   16.528
2002   1.401   15.780
2003   1.591   14.898
2004   1.578   14.358

Es wird wieder besser ! In diesem Jahr rechnen wir nach der Analyse der bisherigen Deckakte mit mehr als 1.600 Welpen, der Mitgliederrückgang scheint gestoppt.

Neue, junge Züchter werden aktiv, die Neuzugänge kommen aus den jüngeren Jahr- gängen, verbessern die Altersstruktur.

Mit den "langen" Ruten hat davon keiner mehr Probleme.

Betrachten wir die Entwicklung bei anderen Rassen, geht es auch bei fast allen größeren Hunden wieder aufwärts. Persönlich kann ich allerdings nicht ganz nachvollziehen, warum uns z.B. die großen Doggen deutlich überholt haben. Eine Rasse, die sicherlich nicht pflegeleichter ist, die große Ansprüche an ein positives Umfeld, auf viel Platz und Bewegungsfreiheit hat.

Mit unseren Argumenten über die eingeengten heutigen Möglichkeiten passt das nicht ganz zusammen, es muss folglich noch andere Aspekte geben.

Im Raum steht häufig die Meinung, dass wir unseren Züchtern zu viele Auflagen setzen, dass zu hohe Kosten, zudem enormer zeitlicher Aufwand den Einstieg für "Anfänger" behindern. Eine andere Aussage lautet, wir selbst hätten unseren Hund völlig unnötig, nicht begründet, krank geredet und damit eine bessere Welpen- nachfrage blockiert.

Dies vielleicht ein Thema an anderer Stelle ?

Wie oben bereits angedeutet, hat sich logisch parallel zum allgemeinen Rückgang unsere finanzielle Situation von Gewinnen zum Verlust entwickelt. Allerdings hatten wir in den fetten Jahren einiges auf die "hohe Kante" gelegt, um mittelfristig größere Durststrecken überstehen zu können.

Die wenigsten haben registriert, dass wir bis auf eine minimale Rundung bei der Euroeinführung seit 15 Jahren keine Beitragserhöhung hatten, 1990 wurde letztmalig eine solche durch die HV beschlossen. Die hervorragende Situation im Zuchtbereich, bei der Mitgliederentwicklung hat uns in die Lage versetzt, auch die meisten Positionen unserer Gebührenordnung über lange Jahre niedrig zu halten, zum Teil wie beim Zuchtbuch, bei den Ausstellungsanteilen konnten wir sogar deutlich reduzieren.

Wir haben mit nicht geringem Aufwand eine hervorragende Struktur im Geschäfts- stellenbereich geschaffen, als Basis eine sämtliche Arbeitsbereiche umfassende Datenverarbeitung.

Bis zur Zuchtbuch-Nr. 1 im Jahre 1895 wurden alle Zuchttiere rekonstruiert bzw. nacherfasst, seit den 60-iger Jahren lückenlos. Unser Zuchtinformationssystem (ZIS) gilt als einmalig. Viele betrachten diese Leistungen als völlig selbstverständlich, sind sich nicht bewusst, wie viel Zeit dafür in ehrenamtlicher Tätigkeit aufgebracht wurde.

Spätestens ab dem Jahr 2001 war eindeutig erkennbar, dass die Bilanzergebnisse in die Verlustzone wandern werden. Eingeleitete Sparmaßnahmen, speziell im Verwaltungsbereich konnten nur das Schlimmste verhindern. In anderen Bereichen mussten wir unsere satzungsgemäßen Pflichten erfüllen, Verträge – Verpflichtungen aus dem Umfeld mussten eingehalten werden, konnten erst nach dem Ablauf bestimmter Fristen oder nach entsprechenden HV-Beschlüssen geändert werden.

Anlässlich unserer Hauptversammlung im Frühjahr 2002 konnte ich den Delegierten detailliert, ich denke auch überzeugend, die Lage, besonders die weitere negative Entwicklung aufzeigen.

Beitrags-, Gebührenerhöhungen wäre der simpelste Weg, anderswo wohl des Öfteren praktiziert. Wir waren uns aber bewusst, dass dies in der allgemein schwierigen Lage in Deutschland nicht kontrollierbare Nachteile z.B. weitere Mitgliederverluste bedeuten würde. Mein Vorschlag, für 3 Jahre von der Substanz zu leben, wurde als sinnvoll erachtet und vorerst akzeptiert. Darüber hinaus waren alle Bereiche aufgerufen, geeignete weitere Lösungen zu erarbeiten.

Ein zusätzliches Problem war zwischenzeitlich aufgetaucht. Die Anzeigen im Boxer- Blatt besonders aus der Industrie, aber auch die internen waren rapide zurückge- gangen, zuletzt um rund 50.000 € pro Jahr. Ganz klar, durch die Internetpräsenz, durch Eigenwerbung glaubten viele, sich die Anzeigen-, Werbekosten ersparen zu können, nicht ganz durchdacht, aber zu unserem Nachteil.

Ergebnis: allein das Boxer-Blatt erforderte Zuschüsse von fast 100.000 €.

Bei einer Delegiertentagung im Dezember 2003 war die "Finanzkrise" das vorrangige Thema. Ein Ausschuss, das sogenannte Controllingteam wurde eingesetzt, alle denkbaren Einsparungsmöglichkeiten wurden erfasst, analysiert.

Die Hauptversammlung im Januar dieses Jahres stand vor der schwierigen Aufgabe, aus der Vielzahl der Anträge die richtige Mischung für ein tragbares Gesamtergebnis zu finden. In der zur Verfügung stehenden Zeit eine schier unlösbare Aufgabe.

Schließlich erhielt der Vorstand den Auftrag, innerhalb von 4 Wochen ein Gesamt- paket mit einem Volumen von ca. 100.000 € zu schnüren, dieses sollte dann im schriftlichen Verfahren en bloc verabschiedet werden.

Ergebnis war die nachfolgende Zusammenfassung.

Sparmaßnahmen/ zusätzliche Einnahmen / Streichen Subventionen

Beitragerhöhung

9500 x 5 €

3400 x 1 €

für die LGR

2005

nicht wirksam

2006

50.000 €

 (12.900 €)

2007

50.000 €

(12.900 €)

2008

50.000 €

 (12.900 €)

BB nur noch 6-wöchig

2005 3 BB weniger

2006 4 BB weniger

27.000 €

36.000 €

36.000 €

36.000 €

Fahrtkosten

HV, Del.Tagung, Richter,

ZW-Ausb.Warte usw.

max 0,20 € Fahrtgeld

-

-

Del. Tagung

1.500 €

HV

2.000 €

Gebühren ZTP+AD

Je Hund 5 + 2 €

Zuchtschauen + 1 €

Ab 1.7.2005

1.700 €

3.500 €

2.000 €

3.500 €

2.000 €

3.500 €

2.000 €

Nadeln / neue + 10 J.

Bestand reicht bis 2007

-

-

2.500 €

2.500 €

BK-Veranstaltungen

Reduzierung der

Zuschüsse für

Teilnehmer

 

+ für die LGR

 

4.500 €

 

(6.000 €)

 

4.500 €

 

(6.000 €)

 

4.500 €

(6.000 €)

 

4.500 €

(6.000 €)

Mannschaft ATIBOX

geringere Zuschüsse

1.200 €

2.400 €

2.400 €

2.400 €

Schulungsgebühren

---

1.500 €

1.500 €

1.500 €

Summen

34.400 €

99.900 €

103.900 €

104.400 €

Diese Planzahlen sind selbstverständlich nur auf die jetzige Situation projiziert.

Wir waren uns einig, so weit als möglich Kosten zu reduzieren, anderseits Gebührenerhöhungen nur nach dem Verursacherprinzip neu festzulegen.

Der "dickste" Brocken waren die Boxer-Blätter. Angebote anderer Druckereien brachten keine Vorteile. Weniger Seiten ? Reduzierte Erscheinungstermine ?

Andere Klubs in gleicher Situation lassen 2 Ausgaben entfallen, wieder andere bringen nur noch 6 pro Jahr, also jeden 2ten Monat. Vergessen wir nicht, dass bisher monatlich allein an Porto 4 – 5 Tausend € fällig waren. Die Idee im 6-wöchigen Rhythmus schien schließlich die geringeren Nachteile zu bringen und wurde umgesetzt, bisher nach unserer Meinung ein echter Erfolg.

Die KM-Spesen für Delegierte und Richter bei Tagungen und Schulungen wurden auf 0,20 € gekürzt, bei den derzeitigen Benzinpreisen sicher keine angenehme Maßnahme. Das Gleiche gilt für die Reduzierung von Kostenerstattungen für die Teilnehmer an Klub- und ATIBOX-Prüfungen, bisher Subventionen, die wir uns einfach nicht mehr leisten können. Auch die Landesgruppen werden dadurch entlastet.

Zuchttauglichkeitsprüfungen und Ausstellungsberichte erfassen wir bis ins letzte Detail, für jeden Interessierten nutzbar. Diese relativ hohen Erfassungskosten mussten wir weitergeben. Auch ein kleiner Anteil an den Schulungslehrgängen sollte dem Klub zu gute kommen, schließlich entstehen auch Kosten für die Veröffentlichung im BB.

Die Nadeln für Neumitglieder (2.50 € + Porto und Spezialverpackung) entfallen.

Zur endgültigen Schließung der "Finanzlücke" blieb nur noch eine Beitragserhöhung.

Absolute Einigkeit, dass diese so gering als möglich ausfallen musste.

6 € je Hauptmitglied bedeuten nur 50 Cent pro Monat, dies sollte doch bitte von allen anerkannt werden. Für Familienmitglieder konnten wir uns auf 2 € einigen.

Die Landesgruppen erhalten davon jeweils 1 €.

Bei einer wieder besseren Lage ist eine Verteilung nach bisheriger Regel, 60 % Klub, 30 % Gruppe und 10 % Landesgruppe zu erörtern.

Dieses Konzept, das Gesamtpaket wurde einstimmig verabschiedet.

Ich darf mich bei allen bedanken, die daran mitgewirkt haben.

Ihnen unseren Mitgliedern darf ich versichern, dass wir uns das nicht leicht gemacht haben. Wir mussten reagieren!

Wir haben alles erörtert um eine gleichmäßige Belastungsverteilung zu finden.

Ich darf Sie alle um Ihr Verständnis bitten und bedanke mich dafür im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen im Vorstand und in den Landesgruppen.

Günter Karg

1.Vorsitzender